Erhalt und Entwicklung des artenreichen Grünlandes in Hondelage

1  Motivation

Der Förderkreis Umwelt- und Naturschutz Hondelage e.V. (FUN) hat die Kulturlandschaft durch viele Naturschutzprojekte in Hondelage und Umgebung nachhaltig und sichtbar verändert. So wurden 35 Streuobstwiesenkomplexe und 400 Kleingewässer angelegt, Fließgewässer renaturiert, Artenschutzprojekte durchgeführt und die Mergelkuhle als Geotop entwickelt. 
Eines der wichtigsten Projekte für den FUN ist die Grünlandbewirtschaftung durch extensive Be-weidung. Wiesen und Auen pflegen wir mit Wasserbüffeln und Schottischen Hochlandrindern.
Die uns zur Verfügung stehenden Flächen sind zum großen Teil schwierig zu bewirtschaften – sie sind kleinteilig, unwegsam und unterliegen sehr starken Feuchtigkeitsschwankungen über die Jah-reszeiten. Bei Extremwetterlagen wie im Sommer 2018 oder Herbst 2017 macht sich das besonders bemerkbar.
Aus diesen Bedingungen ergeben sich häufig Schwierigkeiten mit der Beweidung – und damit auch mit dem Ziel, durch die Beweidung ein artenreiches Grünland zu bekommen bzw. zu erhalten.
Erste Untersuchungsergebnisse aus Projekten im Rahmen von „Landschaftspflege und Gebietsma-nagement“ zeigen, dass sich größere, zusammenhängende Weideflächen positiv auf die Artenviel-falt auswirken.
Daraus abgeleitet haben wir die Ziele für das hier beschriebene Projekt: Verbesserung des arten-reichen Grünlandes durch verbesserte Beweidung und einfachere Pflege der Flächen sowie beglei-tende Strukturmaßnahmen.
Konkret möchten wir die Verbesserung dadurch erreichen, dass einige Weideflächen erweitert und andere Bereiche über dazwischenliegende Flächen verbunden werden. Als begleitende Maßnah-men werden trockene Liegeplätze für die Tiere angelegt sowie die Tränken vertieft und befestigt. 
Zudem sollen einzelne Bäume auf den Weiden gepflanzt und Nistkästen an den Unterständen an-gebracht werden. Steinhaufen als Habitatinseln für den Steinschmätzer auf den Wiesen runden die begleitenden Maßnahmen ab.
Um die Unterhaltungsmaßnahmen an den vielen Zaunkilometern (17 km alt + 3 km neu) zu verein-fachen ist vorgesehen, ein Heckenschnittgerät, einen Agriamäher, und eine motorgetriebene Handramme zu beschaffen. 
Ein Projektschwerpunkt liegt auch auf Landschaftserleben. Um diesen Aspekt zu fördern und den Besuchern die Natur erlebbar zu machen, möchten wir einen Schuntertrail anlegen. Besucher kön-nen mit Boo¬ten auf der Schunter fahren und von dort aus der Pflanzen- und Tierwelt und nicht zuletzt die Weidetiere erleben. 
Für Kinder und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist das Landschaftserleben häufig schwie-rig, da die interessanten Stellen etwas ablegen und damit schwierig zu erreichen sind. Wir möchten einen Planwagen erwerben, um mit dem Trecker Fahrten zu interessanten Punkten in der Honde-lager Landschaft anbieten zu können.

2  Extensive Ganzjahresbeweidung mit Rindern

Das wichtigste Ziel des Vereins ist die Förderung und der Erhalt der Biodiversität. Das gelingt am besten nachhaltig mit der extensiven Ganzjahresbeweidung mit Rindern.
Zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt des Grünlandes wurden große Anstrengungen un-ternommen. Anfangs haben wir die Fläche noch mit einem Mähbalken von Hand gemäht, das Mähgut zusammengeharkt und auf einem Komposthaufen gelagert. Ziel war, durch die differen-zierte Pflegemaßnahme und Aushagerung neue und seltene Pflanzenarten wieder anzusiedeln. Nach und nach kamen weitere Grünlandflächen hinzu - eine manuelle Pflege war bald nicht mehr möglich. Zudem stellten sich die erhofften Erfolge auf Etablierung neuer Arten nicht ein.
Wir haben daher die Grünlandpflege auf eine traditionelle Nutzung mit Weidetieren umgestellt. Zwei Schottische Hochlandrinder wurden gekauft. Sie haben uns nun die Arbeit des Mähens abge-nommen. Unsere Aufgaben verlagerten sich damit auf den Bau von Zäunen sowie die Betreuung und Winterfütterung der Tiere. Im Laufe der Jahre ist aus zwei Mutterkühen eine kleine Herde geworden.
Wir konnten Flächen zukaufen und Kompensationsflächen übernehmen – heute pflegen wir in ehrenamtlicher Arbeit ca. 50 ha Grünland – vor allem im Auenbereich der Schunter in der Gemar-kungen Hondelage und Dibbesdorf.
Die größeren Flächen sind allerdings nicht mehr ohne Trecker, Mähbalken, Kleinballenpresse und Gummiwagen zu bearbeiten, insbesondere um auch über die vegetationsarme Jahreszeit ausrei-chend Heu bereitstellen zu können.
Der Viehbestand ist auf 35 Tiere angestiegen. Zu den Hochlandrindern haben wir eine Zuchtgruppe von Wasserbüffeln dazubekommen. Die Tiere leben ganzjährig auf der Weide – jährlich kommen 8 bis 9 Kälber dazu.
Wie eingangs erwähnt, betreiben wir eine extensive Beweidung. Bei gleichbleibender Fläche darf die Anzahl der Tiere nicht ansteigen. Deshalb werden in jedem Jahr etwa 8 bis 9 Tiere entnommen.
Damit wir all diese Leistungen finanzieren können, haben wir uns entschlossen, das Rindfleisch als „Biobetrieb“ zu vermarkten. Nach der erfolgten Zertifizierung bekommen wir als anerkannter landwirtschaftlicher Betrieb (Geschäftsbetrieb Ökofun) zudem eine Flächenprämie.
Um unseren Rindern den hochgradigen Stress beim Abtransport zum Schlachthof zu ersparen, haben wir uns seit 2014 für eine tierschutzgerechte Lösung entschieden - den Kugelschuss auf der Weide. Ein erfahrener Jäger schießt die Tiere vor Ort unter kontrollierten Bedingungen. So haben sie bis zum Tod ein artgerechtes Leben.
Die artgerechte Haltung der Rinder ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir bieten unseren Tieren ganz-jährige Freilandhaltung. Die Weidesicherheit wird durch einen stromgeführten Glattdraht gewähr-leistet. Die Tiere haben natürliche Tränken, Suhlen, Schatten und Trockenplätze und können Holz-pflanzen verbeißen. Wir stellen ihnen Salzlecken und Schubberbäume zur Verfügung. Alle Kälber werden im Freien geboren und leben das erste Jahr in einer festen Mutterkuhgruppe mit einem Deckbullen zusammen. Bei Frost und Schnee kommen unsere Rinder auf die Winterweide mit ei-nem landschaftsgerechten Unterstand. Die Tiere werden zudem durch eine beheizte Tränke und eine Futterraufe versorgt. Betreut werden sie täglich von ehrenamtlichen Helfern.
Durch die traditionelle Weidetiernutzung gelingt uns nicht nur die Offenhaltung der Landschaft wesentlich besser, sondern auch die Förderung der Artenvielfalt: Viele Weidebereiche sind durch lebensraumbezogene Strukturelemente für Amphibien, Reptilien, Heuschrecken, Wildbienen, Laufkäfer und Wiesenvögel angereichert worden.


3  Schwierigkeiten bei der Grünlandnutzung

Ziel der Beweidung in der Schunteraue ist die Offenhaltung der Landschaft und Entwicklung eines artenreichen Feuchtgrünlandes. Doch die Zielerreichung gestaltet sich in der Praxis als sehr schwie-rig:

  • Den Weidetieren müssen bei jährlich z.T. mehrfach vorkommenden Hochwasserereignis-sen Rückzugsmöglichkeiten in trockene Bereiche mit ausreichend Futter zur Verfügung ge-stellt werden.
  • Die Weideintensität lässt sich mit den verfügbaren Tieren / Gruppen nur durch häufiges Umsetzen steuern.
  • Ein Verbiss von nicht so schmackhaften Pflanzenarten (Binsen, Schilf, Brombeeren) und aufwachsendenden Gehölzen ist nicht so leicht zu steuern. Die Zufütterung bzw. Nichtfüt-terung wird teilweise von Besuchern nicht verstanden und führt zu besorgten Telefonaten.
  • Auf einigen Teilflächen treten Jakobskreuzkräuter auf. Die Bekämpfung der für die Tiere gesundheitsschädlichen Kräuter gestaltet sich aufwändig.
  • Im Winter stehen nur wenige Flächen als Winterweide zur Verfügung.
  • Das Grünland ist kleinflächig durch Wege parzelliert und die Weidetiere müssen regelmäßig umgetrieben werden. 
  • Der Fang und die Markierung der Kälber in unübersichtlichem Gelände stellen ein Problem dar. Tragende Kühe müssen deshalb vor der Kalbung ausgesondert werden.
  • Ein nicht unerheblicher Aufwand entsteht durch Unterhalt, Erneuerung und das Freihalten von Bewuchs der elektrifizierten Weidezäune.

Das Ziel, den Artenreichtum zu stärken, ist schwer messbar:

  • Wie sich die entsprechenden Lebensgemeinschaften (Pflanzen, Heuschrecken, Amphibien, Vögel) entwickeln, ist nicht bekannt.
  • Regelmäßige Untersuchungen sind sinnvoll, allerdings sehr aufwändig und kostspielig.

Und auch einige allgemeine Schwierigkeiten erschweren die Arbeit:

  • Die einheitlichen und relativ starren Bewirtschaftungsauflagen werden den natürlichen Le-bensräumen mit witterungsbedingter hoher Dynamik nicht gerecht und sollten flexibler ge-staltet werden.
  • Die regionale Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse als wichtige Säule der extensiven Bewirtschaftung muss dringend gestärkt werden.

 
4  Verbesserungen zum Erhalt und Entwicklung des artenreichen Grünlands in Hondelage


Um das Weidemanagement zu verbessern haben wir 2017 einen Antrag beim NLWKN im Rahmen der Richtlinie „Landschaftspflege und Gebietsmanagement“ gestellt und gefördert bekommen. Im Rahmen dieses Projektes erfolgte in 2018 bereits eine Basiserfassung der Vegetation und eine Untersuchung von Zikaden und Heuschrecken. Die wichtigste Erkenntnis war, dass auf ganzjährig beweideten Weiden viel mehr Insektenarten vorkommen als auf Wiesen.  Je größer die Beweidungsareale sind, desto höher ist die Artenvielfalt.
Weitere Erkenntnisse aus den Jahren 2017 mit extremer Nässe und 2018 mit extremer Trockenheit waren, dass die Grünlandflächen für die Weidetiere verbessert werden müssen. Das zweite Halb-jahr 2017 war in Hondelage so nass, dass wir das Heu zur Winterfütterung nicht mehr einfahren konnten. Die Tiere mussten früher auf die Winterweiden und auch die Zufütterung begann schon ein Monat früher als in normalen Jahren.
Das Sommerhalbjahr 2018 war dagegen so trocken, dass wir unsere Tiere bereits ab August zufüt-tern mussten. Auch die natürlichen Tränken waren ausgetrocknet, so dass wir zusätzlich Wasser auf die Weiden bringen mussten.
Durch verschiedene strukturelle Veränderungen bei den Weideflächen möchten wir erreichen, dass wir von solchen Wetterlagen unabhängiger werden und besser reagieren können.
 

4.1    Erweiterung von Weideflächen


Abgeleitet aus diesen Erkenntnissen möchten wir daher die folgenden Maßnahmen umsetzen:
Erweiterung der Weiden bei Dibbesdorf (1):
Durch drei Einzelmaßnahmen – eine zusätzliche Einzäunung (grün) der angrenzenden Fläche Rich-tung Baumschule/Bahnhof,  eine neue Brücke (blau) für Rinder über die Schunter zu den Friderici-Weiden und der Neddernkampweide sowie die Erweiterung eines kleinen Wäldchens an der Mey-erweide.
Erweiterung der Sandfangweide (2) über eine Wegeverbindung (grün) zur Schuntertalweide.
 

Erweiterung der Ziegelofenweide (3) (rot) durch eine Zäunung eines Wildkrautackers und eines Feldgehölzrandes (grün)
 

Erweiterung der Waterföhrenweiden (4) (rot) durch die Einbindung des Schneitelwaldes (grün).
Abbildung:  

Erweiterung der Schmalzkampweide (5) . Aufgrund der Abgeschiedenheit der Weide und des sehr schlechten Zustandes der Zuwegung kommen wir mit unseren Maschinen nicht mehr zum Mähen auf diese Weide. Wir möchten die Fläche daher im Sommer mit unseren Tieren beweiden. Wasser und Schattenplätze sind vorhanden.
Für die aufgezählten Maßnahmen ist es erforderlich, Zäune neu zu bauen oder zu erweitern. Die Elektrifizierung ist anzupassen bzw. neu zu erstellen – auch neue Tore und Zugänge sind zu erstel-len.
Umbau von Tränken an der Schunter (1). Auf den Weiden an der Schunter gelangen die Tiere durch eine Abzäunung direkt an das Schunterufer. Die Tiere sollen diese Bereiche offenhalten, da es im gesamten Verlauf der renaturierten Schunter kaum mehr offene besonnte Stellen gibt. Der Zugang ist mit einem Elektrodraht gesichert. Aufgrund der Hochwässer und auch des Trockenfallens der Schunter ergeben sich jedoch immer wieder Lücken, die die Rinder zum Ausbruch nutzen. Wir wol-len diese Bereiche mit einem Ursusdrahtgeflecht und stabilen Stangen versehen, um den Unter-halt zu reduzieren und die Ausbruchsgefahr der Tiere zu minimieren.
Insgesamt wird die Beweidung um auf 6 ha Fläche erweitert und 3600 m neuer Zaun installiert. 

4.2    Strukturveränderung auf den Flächen

Aufgrund der extremen Trockenheit und auch der Feuchtigkeit müssen wir die Weiden verbes-sern- im Einzelnen durch:
Anlage von 8 trockenen Liegeplätze und Anreicherung von mit Wurzelstubben auf den Feucht-grünland in der Waterföhre. Zum Transport des Sandes und der Wurzelstubben benötigen wir ei-nen gebrauchten Tandem-3-Seitenkipper. Die Anlieferung des Sandes und der Wurzeln erfolgt in Eigenarbeit.
Vertiefung und Befestigung von 6 Tränken
An 6 Tränken (angelegte Teiche) in der Waterföhre muss der Zutritt der Weidetiere verbessert werden, damit sie auf den tonigen Boden bei allen Wetterbedingungen an das Wasser herankom-men.

Baumpflanzung 
von 20 Eichen auf den Weiden. Die Bäume werden durch eine Stahl-Befestigung dauerhaft vor dem Verbiss der Weidetiere gesichert.
Nistkästen
An unseren Unterständen möchten wir 30 Starenkästen aufhängen. Wie aus dem Wendland be-kannt, werden diese Nisthilfen vom „Vogel des Jahres 2018“ – dem Star – gut angenommen, weil die Vögel auf unseren Weiden viel Nahrung finden.
Steinhaufen für den Steinschmätzer. Auf der Weißenseeweide gibt es einen großen Bereich, wo Steinschmätzer regelmäßig auf dem Zug beobachtet werden können. Durch die Anreicherung um 10 Steinhaufen möchten wir das Areal als Brutbiotop aufwerten.
Wurzelstubben 
Wurzelstubben auf Weiden sind wichtige Strukturelemente und Verstecke für Amphibien, Repti-lien, Schnecken, Insekten etc.. Zudem nutzen die Rinder die Stubben zur Fellpflege. Durch Anlage von auf möglichst allen Weiden erhöhen wir die Strukturvielfalt und die Biodiversität.

4.3    Reduktion Unterhaltungsaufwand

Um die Unterhaltungsmaßnahmen an den 20 km Elektrozäunen zu gewährleisten, müssen wir ein Heckenschnittgerät, einen Agriamotormähbalken und eine Motorhandramme anschaffen. Weiterhin benötigen wir zwei feste Zeltplanenhallen, damit das Heu in entsprechender Qualität zur Winterfütterung vor Ort gelagert werden kann.