Monatsbericht OG Waggum

Juni 2021

Projekt: Auswilderungsversuch mit Bienen

Ein leuchtend gelbes Rapsfeld vor dunkelblauem Himmel erinnert nicht nur an Braunschweiger Tradition, sondern auch an den ersten Festschmaus des Jahres für unsere Bienen. Der intensive Geruch der Rapsblüten und ihre strahlende Farbe locken die Bienen an, die fleißig Nektar für das eigene Bienenvolk und nebenbei auch noch für den Imker sammeln.

Honig ist die Lebensgrundlage der Bienen und für uns ein wohlschmeckendes Nahrungsmittel, dem außerdem heilsame Wirkungen und eine Stärkung des Immunsystems zugesprochen werden. Darüber hinaus kommt den Bienen bei der Erhaltung der Artenvielfalt im Pflanzenbereich eine zentrale Rolle zu. Nur wenn die Blüten bestäubt werden, gibt es Früchte und Samen, die das Überleben einer Pflanzenart ermöglichen. Daher ist auch bei uns im Biotop die Erhaltung und Schaffung der Lebensräume für Wild- und Honigbienen ein Schwerpunktthema. Hierzu gehören sowohl das Anlegen von Wiesen mit speziell ausgesuchten Pflanzenarten (z.B. das Feuchtwiesenprojekt mit dem Julius Kühn Institut Braunschweig), der Bau und die Aufstellung von Insektenhotels für Wildbienen als auch die Imkerei.

Die Imkerei ist in den letzten Jahren ins Gerede gekommen. Es wird behauptet, dass die Bienen durch die permanente Honigentnahme und dem damit verbundenen Zwang ständig neuen Honig produzieren zu müssen, einem derartigen Stress ausgesetzt sind, dass sie zur Bekämpfung ihres ärgsten natürlichen Feindes, der Varroamilbe nicht mehr in der Lage sind. Ohne Einsatz chemischer Mittel gegen den erst in den 70er Jahren nach Europa eingeschleppten Parasiten ist heutzutage ein Bienenvolk kaum noch überlebensfähig. So werden die Bienen regelmäßig giftigen Chemikalien ausgesetzt, die zwar die Milben abtöten, allerdings auch das Bienenvolk dezimieren und schwächen.

In jüngster Zeit gibt es Aktivitäten (BeeNature, Bienenretter), die versuchen natürliche Wege zu finden, um das Überleben der Bienen zu sichern. Von zentraler Bedeutung ist dabei den Bienen eine möglichst natürliche Umgebung anzubieten und ihnen außerdem natürliche Verhaltensweisen zu ermöglichen. Dazu gehören eine Baumhöhle als natürliche Behausung sowie die Einstellung oder zumindest die Reduzierung der Honigentnahme. Unterstützend kann dabei die Ansiedlung natürlicher Feinde der Varroamilben sein, wobei u.a. sogenannte Pseudoskorpione vorgeschlagen werden (BeeNature = Bücherskorpione und die Symbiose mit den Bienen).

Ermutigt durch Berichte über die erfolgreiche Umsiedlung von Honigbienen, wollen wir nun selbst versuchen ein Bienenvolk auszuwildern. Für die Anfertigung einer Baumhöhle haben wir einen etwa ein Meter langen und 70 cm dicken Abschnitt eines innen ausgehöhlten alten Eichenstammes verwendet. Er wurde oben und unten thermisch isoliert und gegen Feuchtigkeit abgedichtet. Im Bienenstock ist eine gleichbleibende Temperatur und geringe Luftfeuchtigkeit auch in Wintermonaten unerlässlich. Der fertige Baumstamm wurde neben dem Bienenhotel östlich des Biotops aufgestellt. Als Lockmittel wurde das Innere der Höhle mit Bienenwachs, Honig und Propolis (Bienenharz) markiert. Sollten die Bienen die neue Behausung nicht allein finden, werden wir versuchen, in der Zeit des Schwärmens ein Volk dort einzubringen. Wir werden die Bienen dann sich selbst überlassen und nur gelegentlich das Ausmaß des Parasitenbefalls kontrollieren. Wir hoffen, damit Erfolg zu haben, auch wenn uns klar ist, dass das Bienenleben sehr komplex ist und zur erfolgreichen Auswilderung möglicherweise noch ganz andere Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Lassen Sie sich aber bitte durch diesen Beitrag nicht den Genuss von Honig mies machen. Es ist wohl auch unbestritten, dass ein Bienenvolk mehr Honig produziert, als es selbst zum Leben benötigt. Daher bleibt bei maßvoller Imkerei immer noch genug leckerer Honig für uns übrig.

Bei uns können Sie den gesunden schmackhaften Bienenhonig in verschiedenen Sorten aus naturschonender Erzeugung unseres aktiven Biotoplers und langjährigen Imkers Ewald Renz erwerben.

Helfer gesucht

Einladung an alle interessierten Naturliebhaber, die im Biotop mitmachen wollen. Jeder ist willkommen, uns am Mittwochvormittag beim Arbeitseinsatz zu unterstützen. Auch für einen einmaligen Einsatz sind wir dankbar. Ansprechpartner sind Peter Schack Tel. 05307/5266 oder Ewald Renz Tel. 0172/6025972

Detlef Schiel